

Die Musikschule ist ein Ort, an dem Kinder und Jugendliche nicht nur ein Instrument erlernen, sondern sich auch kreativ und künstlerisch entfalten können. Hierzu bekommen sie professionelle pädagogische Begleitung durch unsere Lehrkräfte. Durch den Unterricht und das gemeinsame Musizieren wird die Persönlichkeitsentwicklung gefördert.
Wir achten natürlich jetzt schon darauf, dass die Kinder und Jugendlichen in unserer Musikschule in einer geschützten Atmosphäre lernen können. Um noch aktiver Prävention für das Kindeswohl zu betreiben, werden wir in den nächsten Monaten ein Schutzkonzept erstellen, denn Diskriminierung und sexualisierte Gewalt haben an unserer Einrichtung keinen Platz!
Von der Schulleitung wurde Angelika Lohse beauftragt, sich um die Erstellung und Entwicklung des Schutzkonzeptes zu kümmern.
Im ersten Schritt war klar, dass wir das Schutzkonzept nicht alleine erstellen wollen, denn uns ist wichtig, dass aus allen Bereichen der Musikschule Vertreter*innen involviert sind. Deswegen haben wir im Februar 2025 einen Brief an die ganze Musikschulfamilie geschrieben, um eine Projektgruppe zu finden, die den Prozess der Konzeptentwicklung mitgestaltet.
Eine Neun-köpfige Projektgruppe (2 Schüler*innen, 2 Mütter, 2 Lehrkräfte, 1 Vorstand, 1 Schulleitung, Leitung der Projektgruppe) wurde Ende März benannt. Hierzu gehören:
Nach einer Schulung zu Beginn und einem ersten Kennenlernen fing die Arbeit Anfang April gleich an. Schon hier wurde beschlossen, dass wir mit einer Risikoanalyse in Form von Umfragen starten.
Beim zweiten Treffen Anfang Mai wurden der Ablaufplan konkretisiert, d.h. wir wollen bis Dezember 2025 einen fertigen Entwurf eines Schutzkonzeptes haben, der dann noch zu überprüfen und zu veröffentlichen ist. Außerdem wurden die Fragen für die Umfrage besprochen, die in den kommenden Wochen fertiggestellt werden. Geplant ist, die Fragen um Pfingsten an die Musikschulfamilie zu versenden.
Die Umfrage läuft seit einer Woche und wird noch drei Wochen online sein.
Die Umfrage wird ausgewertet.
Die Auswertung der im Juni/Juli 2025 unter Schüler*innen, Eltern und Kolleg*innen durchgeführten Risiko- und Potential-Analyse (Umfrage) hat die Projektgruppe nun einige Zeit beschäftigt. Wir haben uns nach vielen Gesprächen darauf verständigt, die Ergebnisse in Textform zu veröffentlichen. Das Ergebnis können Sie nun hier lesen:
Es kam deutlich heraus, welche Situationen und Abläufe, welches Verhalten und auch welche baulichen Gegebenheiten etc. innerhalb des Musikschulbetriebs Anlass für die Gefährdung sein könnten.
An der Befragung der 6- bis 10-jährigen Kinder nahmen insgesamt 54 Schüler*innen teil. In den Rückmeldungen wurde deutlich, dass das Musizieren und der Unterricht von einigen Kindern als nur mittelmäßig bewertet werden. In den offenen Antworten wurden zudem Unsicherheiten und Ängste im Unterricht benannt, insbesondere die Sorge, Fehler zu machen, sowie ein Unwohlsein beim Vorspielen. Darüber hinaus gaben einzelne Kinder an, bereits unangenehme Berührungen erlebt zu haben. Auch im sozialen Bereich zeigen die Antworten, dass nicht alle Kinder über enge Kontakte an der Musikschule verfügen: Einige kennen zwar Mitschüler*innen, berichten jedoch von fehlenden Freundschaften, während andere angaben, überhaupt keine Freund*innen an der Musikschule zu haben.
An der Befragung beteiligten sich insgesamt 34 Jugendliche. In den Rückmeldungen wurde deutlich, dass sich einige Jugendliche in ihren Bedürfnissen nicht immer ernst genommen fühlen und ihre Möglichkeiten zur Mitgestaltung als eingeschränkt wahrnehmen. Teilweise wurde zudem angegeben, sich ungerecht behandelt oder nicht vollständig integriert zu fühlen. Auch Situationen, in denen sich Jugendliche unwohl fühlen, wurden benannt, etwa bei Vorspielen oder beim Warten vor der Mittelschule. Darüber hinaus berichteten einzelne Jugendliche, im Unterricht bereits unangenehm angesprochen worden zu sein. Auffällig ist zudem, dass nicht allen Jugendlichen klar ist, an wen sie sich bei Problemen wenden können. Mehrere Rückmeldungen beziehen sich außerdem auf ein unzureichendes Schutzgefühl gegenüber Mobbing oder Gewalt. Weitere Hinweise betreffen die räumliche Gestaltung sowie den Zugang zu Unterrichtsräumen, die teilweise als schwierig empfunden werden.
Die Ergebnisse der Elternumfrage zum Schutzkonzept der Musikschule zeigen ein insgesamt sehr positives Bild. Die überwiegende Mehrheit, der 144 teilnehmenden Eltern, geben an, dass ihr/e Kind/er sich im Unterricht wohlfühlen und gerne in die Musikschule gehen. Nur in wenigen Fällen wurde von unangenehmen Erfahrungen berichtet, die vor allem mit einem zu strengen Tonfall oder unbedachten Kommentaren einzelner Lehrkräfte zusammenhingen.
Die meisten Eltern wissen, an wen sie sich bei Problemen wenden können, dennoch gibt es eine kleinere Gruppe, die sich hierbei unsicher ist oder keine klare Ansprechperson sieht. Die Leitung der Musikschule ist einem Großteil der Eltern bekannt, wenngleich ein Teil sie nur eingeschränkt oder gar nicht kennt.
Auch die räumliche Situation wird überwiegend positiv bewertet. Der Zugang zu den Unterrichtsräumen gilt als sicher und gut organisiert, wenngleich vereinzelt Anmerkungen zu unübersichtlichen Standorten, verschlossenen Türen oder unzureichender Beleuchtung gemacht wurden. Die Gestaltung der Räume wird als angenehm empfunden, und die Kinder fühlen sich dort in der Regel wohl. Ebenso wird die allgemeine Sicherheitssituation von den Eltern sehr positiv eingeschätzt.
Bei den Verbesserungsvorschlägen wurden vor allem Wünsche nach eigenen, fest zugeordneten Musikschulräumen geäußert, um die Identifikation mit der Schule zu stärken. Zudem nannten einige Eltern eine freundlichere Gestaltung der Eingangsbereiche, eine bessere Beleuchtung sowie technische Lösungen, um Anwesenheit und Abholung digital nachvollziehen zu können. Auch die Verkehrssicherheit im Umfeld der Gebäude – etwa durch Zebrastreifen oder klarere Beschilderung – wurde angesprochen.
Das Interesse an zusätzlichen Informationsveranstaltungen zum Schutzkonzept ist insgesamt eher verhalten. Die Mehrheit der Eltern fühlt sich offenbar ausreichend informiert oder sieht keinen unmittelbaren Bedarf für weitere Formate.
Die Wichtigkeit dieses Themas zeigt sich in der hohen Beteiligung des Kollegiums: Von den rund 30 Lehrkräften haben zwei Drittel der Befragten nicht nur den Fragebogen vollständig bearbeitet, sondern auch Vorschläge gemacht, welche Aspekte in unserem Schutzkonzept berücksichtigt werden sollten.
So sollen künftig alle Personengruppen – Kinder, Jugendliche, Erwachsene, Mitarbeitende - umfassend berücksichtigt werden. Hierbei sehen etwa zwei Drittel der Befragten den Fokus vor allem auf jüngeren Menschen, also Minderjährigen.
Die Hälfte der Befragten sieht die Raumsituation (verschiedene Gebäude, von außen nicht zugängliche Unterrichtsräume) problematisch.
Nahezu geschlossen einig ist sich das Kollegium in zwei Punkten:
Zum einen über die Notwendigkeit eines Fahrplans für den Umgang mit Verdachtsfällen sowie der Rehabilitation nach unbegründeten Fällen.
Zum anderen in der Formulierung eines Verhaltenskodex. Hier soll die besondere Verantwortung der Lehrkräfte und der bewusste Umgang mit Machtverhältnissen im Unterricht betont werden. Auch Themen wie angemessene Kleidung, eine klare Definition von „erlaubten“ Berührungen zur Haltungskontrolle, ein respektvoller Umgang, Verhinderung von Ausgrenzung und unangemessenen Inhalten sollen klar geregelt werden. Offenheit und gegenseitiger Respekt werden als zentrale Werte hervorgehoben.
Zudem wird angeregt, den Stellenwert der Musikschul-App zu erhöhen, um nicht nur die interne Kommunikation und Organisation zu verbessern, sondern auch, um die Privatsphäre von Eltern, Schülerinnen und Schülern besser zu schützen.
Beim Thema Aufsichtspflicht wurde der Wunsch geäußert, dass Eltern bei Fehlzeiten ihre Kinder zuverlässig bei der zuständigen Lehrkraft vom Unterricht entschuldigen.
Einige Antworten gingen über die Fragestellung hinaus, haben uns aber dennoch beschäftigt und werden auf jeden Fall an anderer Stelle berücksichtigt.
Inzwischen nimmt das Schutzkonzept Form an und wir haben bereits verschiedene Inhalte erarbeitet.
Auch wurden nun zwei Vertrauenslehrkräfte benannt, an die sich jeder wenden kann. Hier können Sie Sorgen, Probleme, Beschwerden oder auch konkrete Verdachtsfälle äußern. Die Lehrkräfte werden damit vertrauensvoll umgehen. Es wird eine Telefonnummer und ein E-Mail eingerichtet und Sie werden darüber informiert, sobald beides funktioniert.
Das nächste Treffen findet im März statt und wir hoffen bis spätestens zum Sommer 2026 das Schutzkonzept veröffentlichen zu können.
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